Dolmetschwissenschaft

      Dolmetschen, verstanden als professionelle interkulturelle Kommunikationshandlung, sollte vorrangig die Aufgabe von wissenschaftlich ausgebildeten Translatoren sein. Die wachsende Komplexität dieses Handlungstypus stellt eine immer größer werdende Herausforderung an eine wissenschaftliche Betrachtung der Sprach- und Kulturwissenschaft, aber auch der Denkpsychologie dar. Dies zeigt sich schon in der Erkenntnis, dass nicht nur Sprache, sondern vor allem auch Kultur innerhalb einer kurzen Spach-Handlungssituation übermittelt werden muss, die im Diskurs und in Texten auf vielerlei Art und Weise zum Ausdruck gebracht und daher immer explizit oder implizit (mit) vermittelt werden muss. 

      Nonverbale Symbole  ebenso wie in Phraseologismen, morphologisch-syntaktischen Gegebenheiten bis hin zur Textdimension mit ihren kulturspezifischen Diskursmustern und Textstrukturen umfassen beim Dolmetschen kulturell bedingte Unterschiede in den Makrostrukturen und den Bedeutungsebenen, in der Informationsverteilung und den Sequenzierungsmodalitäten.

      Unter anderem spielt auch die Textfunktion und Textpragmatik im Hinblick auf das intellektuelle Niveau des zielkulturellen Handlungspartners und die Problematik der interkulturellen Fachkommunikation eine wesentliche Rolle. So ist die Rolle der Kultur sowie die Entwicklung eines handhabbaren Kulturbegriffs ein grundlegendes Ziel. Es muss zum einen die Diskurs- und Textdimension ganzheitlich berücksichtigen und zum anderen flexibel genug sein, um auch andere Wissenssysteme (z.B. das Fachwissen) und die intrakulturelle Diversität mit einzubeziehen.

      Grundlegend für eine  wissenschaftliche  Betrachtung dieser relativ neuen Disziplin ist die Einhaltung der allgemeinen methodologischen Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens: der Explizitheit, Systematizität und der Verifizierbarkeit. Methodologisch sieht die Angewandte  Dolmetschwissenschaft ihr eigentliches Tun derzeit als eine Möglichkeit methodischer Eigenprüfung im gegenseitigen Bedingungsverhältnis von Theorie und Praxis.     

      Seit den  70er Jahren versteht sich die wissenschaftliche Betrachtung vom Dolmetschen immer mehr als eine eigene wissenschaftliche Disziplin. Allerdings gelten Wissenschaftler aus anderen Disziplinen, z. B. der Kognitionspsychologie, mit der Analyse vom gleichzeitigen Hören und Sprechen (Barik) oder mit empirischen Betrachtungen aus der Praxis des Übersetzens mit Erfahrungsberichten als die Begründer der Dolmetschwissenschaft. So z.B. Danica Seleskovic mit der 'École du Sens' an der Univ. Paris, oder das Kapazitätenmodell von Daniel Gile und die Prozeßanalyse nach Moser-Mercer, oder auch die Strategien-Analyse nach Kalina werden als grundlegende Theorien in dieser jungen Wissenschaft angesehen.       

                                                                       Helmuth Sagawe

      Beiträge zur Theorie-Diskussion

      Beiträge aus der Praxis

      einige Literatur-Hinweise zur Dolmetschwissenschaft

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